Boris lässt seine Puppen tanzen

Zum Playback lässt Boris Segal seine Marionetten tanzen. Diese Puppe war einmal eine Ballerina. Inzwischen lässt sie der Künstler auch als Frosch oder Kröte auftreten - je nach Situation

WAZ-Bild: Jörg Schimmel 

 Boris lässt seine Puppen tanzen

In Kinder gärten und gar nicht so selten auch in der Fußgängerzone
 
„Theaterkunst ist die älteste Kunst der Welt", behauptet Puppenspieler Boris Segal, der sein ganzes Lehen, dem Theater gewidmet hat.
 
Schon vor acht Jahren ist er aus der Ukraine nach Dortmund umgezogen, weil er zu Hause seine schöpferische Tätigkeit nicht fortsetzen konnte. Obwohl er für Kinder arbeitete, fanden seine Aufführungen kaum Zuschauer. Die Ursache erläutert er so: „Man braucht ein Puppentheater hauptsächlich für Kinderfeste - zumeist Geburtstage - die man bei uns aber nur laut im engen Familienkreis feiert. Eltern in Deutschland scheinen statt dessen mehr Kulturprogramme vorzuziehen. Gerade deshalb habe ich hier mein Puppentheater geschaffen."

Hier neu zu beginnen war schwierig. Doch ist es ihm gelungen, nicht nur sein eigenes Figurentheater „Bim-Bom" auf die Beine zu stellen, sondern auch eine Erlaubnis für die Arbeit in den Kindergärten zu erhalten.

„Ich bin zugleich Schauspieler, Regisseur und Mechaniker. Die meisten meiner Puppen und alle Dekorationen habe ich selbst gemacht, nur wenige komplizierte musste ich anfertigen lassen," so Puppenspieler Boris Segal, „insgesamt sind das mehr als 50 Tier- und Menschenfiguren."

"Ich bin zugleich Schauspieler, Regisseur und Mechaniker."

Alles entstand für das umfangreiche Theaterprogramm, das er und seine Frau Elena erarbeitet haben. Dazu gehört ein lustiges Stück „Friki-Piki & Hokus-Pokus", das - wie Boris bemerkt hat - sowohl Kinder als auch Eltern anspricht. Die Autoren haben sich viel Mühe gegeben, um alle Stücke für Kinder ab drei Jahren verständlich zu machen. Schon einige Male liefen Aufführungen in Kindergärten. „Nun bekomme ich manchmal Dankbriefe von Eltern, die mich stolz machen", sagt Boris. Das Figurentheater „Bim-Bom" entwickelt sich weiter: Zurzeit bereiten Sigals ein neues Theaterstück vor: „Springende Prinzessin". Vorlage dafür ist ein tschechisches Märchen, in dem viel von Hexerei und allerlei Abenteuern die Rede ist.

Theater macht dem Meister viel Spaß, aber er muss auch Geld verdienen. Deshalb arbeitet er auch auf der Strasse: lässt Musik laufen und die Marionetten tanzen. Das lockt besonders viele Kinder an, so wie die kleine Julia, die gerade einen der „Bremer Stadtmusikanten" kennengelernt hat.

Leicht ist es nicht, den Leuten zu gefallen. Boris erzählt ein Erlebnis: „Einmal, als ich auf der Strasse arbeitete, blieb ein Mann neben mir stehen. Er schien wirklich Interesse zu haben, meinte aber: ,Du musst arbeiten, nicht nur auf der Strasse stehen.' Meine Arbeit ist doch schwer genug."
 

WAZ-Bild: Jörg Schimmel
Dem Esel aus den „Bremer Stadtmusikanten" begegnete Julia auf dem Ostenhellweg, wo Boris Segal von seiner „Bühne" (rechts) aus die Puppen tanzen lässt.                  
 
Quelle: WAZ  Nummer 215 vom 15.09.2001
 
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